Mia Flora und ihre XT250 – Einfach mal machen

Das erste eigene Motorrad – selbst restauriert. Das verbindet. Neugierde mit Abenteuer und Fleiss mit echten Erfolgserlebnissen, die prägen. Sehr empfehlenswert.
 
Ein Puzzle aus vielen vielen Teilen. Eine gründliche Bestandsaufnahme hilft zu verstehen. 
 
Schmutz, Korrosion und Verschleiß sind zu bekämpfen. Alles machbar und für viele der größte Spaß und lebenslanges Hobby. Hier sehen wir, wie das losgehen kann. Mia traut sich was zu. Mit Recht.
 
Mia baut ihr erstes Motorrrad auf.
Eine schöne und klassische Yamaha XT250 aus 1983.
Da fragen wir doch mal nach.
 

Hallo Mia. Super, dass Du uns dein Projekt zeigst. Ist die XT250 dein erstes Motorrad?

Mia Flora: Ja, das ist sie! Sie ist mein allererstes Kraftfahrzeug und erstes Schrauberprojekt.
Mein Vater hatte früher immer Vespas und Ducatis. Mich selbst begeistern Motorräder mittlerweile nur, wenn sie deutlich älter sind als ich, und auch ein wenig Kult mitbringen.
 
Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein solches Projekt zu starten?
Mia Flora: Na, da ich Studentin bin, habe ich nicht das nötige Kapital, eine blitzblanke, nagelneue Maschine zu kaufen. Dazu war es mir wichtig, neben dem Fahren auch das Schrauben zu lernen. Damit ich das Motorrad eben selbstständig pflegen kann und auch selber mitbekomme, wenn es nicht 1a läuft.

Bestandsaufnahme. Gefangen zwischen Grusel und Vorfreude.

Mia ist sehr vielseitig. Wer ein solches projekt angeht, ist Handarbeit gewohnt.

Der Ausgleich zur Kopfarbeit. Ärmel hoch und los. Es lohnt sich in jeder Hinsicht.
 
Was machst Du sonst so? Wo lebst Du?
Mia Flora: Eigentlich bin ich Biologin, genauer Zoologin, lebe und studiere einen Masterstudiengang in Greifswald. Zwischen Usedom und Rügen lebt es sich sehr gut 🙂 Neben dem Studium habe ich noch eine kleine Armada an Haustieren, wobei mir meine Katze und mein Hund am liebsten sind. Der Hund, Donovan, war auch schon bei der einen oder anderen Classic Cross Veranstaltung dabei. Auch bin ich ein großer Fan von Textil-Hobbys und habe Anfang dieses Jahres angefangen, Rohwolle in gesponnene Wolle zu verarbeiten, welches mein anderes großes Hobby, das Stricken, erweitert. Vieles davon, wie auch Teile von der XT250 Restauration, teile ich auf Instagram unter @miaxflora.
 
Warum ist es eine XT250 geworden?
 
Mia Flora: Mein Partner Freddy, der mit seiner SR500 auch schon mal in Norwegen war, hat eine große Menge an Motorrädern. Von Bultaco und BSA auch mehrere klassische Yamahas. Meine ersten Fahrproben waren auf einer Yamaha YZ426F. Diese ist nicht unbedingt anfängerfreundlich, daher habe ich es auch schnell wieder sein gelassen. 2023 hat er dann mit einer wunderschönen DT250 einen Pokal beim Classic Offroad Festival in Wietstock geholt und sich kurz darauf selbst eine DT250 besorgt. Der Plan war, dass ich auf dieser DT250 das Fahren lernen und die dann auch übernehmen werde… Nun kann ich mich mit Zweitaktern nicht unbedingt anfreunden und wir haben weiter gesucht… Eine SR250, das Pendant zu seiner SR500, sowie eine Kawasaki KE175 wurden dann vermehrt auf Kleinanzeigen gesucht.. waren aber beide nicht das Richtige für mich.
Als ich dann an meine ersten Classic Cross Veranstaltungen gedacht habe, vielen XT500 erinnert, die mir das ganze Wochenende den Atem geraubt haben. Zeitgleich war ich auf der Zielgeraden mit meiner Bachelor Thesis und hatte bei meinen Recherchen eine Arachnologin gefunden, die in ihrem Interview beiläufig von ihrer XT250 erzählt hat. Mit der ist sie von Deutschland nach Israel gefahren, um in Höhlen Spinnen zu erforschen.
Da stand es für mich eigentlich sofort fest, dass es eine XT250 als Scheunenfund sein muss.
Alles zerlegen, alles reinigen, alles hinterfragen und verstehen. Fahren lernen. Alles neu. Eine aufregende Zeit, an die man sich lange erinnert. Manche ein Leben lang.
 

Ist es Dir wichtig, dass die XT ein Leichtgewicht ist?

Mia Flora: Ja, schon sehr. Dass ich mehr Training in Fahrtechnik stecken muss als die meisten Männer, ist mir als Frau auch schon bewusst. Ich bin froh, dass ich die XT250 mit ihren ~120kg in der Garage einfach und sicher umherschubsen kann. Trotzdem werde ich mich mal bemühen, etwas Zeit und Energie in den Muskelaufbau zu stecken, bevor ich mit meinem Fahrtraining beginne.

Hast Du in deiner Stadt und Umgebung auch Möglichkeiten, offroad zu fahren? Die Sitzhöhe macht Dir ja sicher keine Schwierigkeiten.

Mia Flora: Legal kann ich auf Motocross-Strecken wie in Steinhagen oder Wolgast offroad fahren, beide haben auch Enduro-Bereiche und Kinder-Cross-Strecken. Auf letzteren habe ich mich auch schon oft genug bei meinen ersten Übungen auf der YZ426F und DT250 von den Kids auf ihren Pocket-Bikes überholen lassen.
Andere Optionen gibt es auch, da ist es gut, dass Mecklenburg-Vorpommern nicht dicht besiedelt ist und man sich gut mit Förstern und Landwirten absprechen kann … das kann ich aber hier schlecht näher ausführen 😉

Schmutz, Verschleiß und Korrosion. Alle keine Endgegner. Alles ist machbar.

Wenns mal kniffelig wird - einfach nachfragen und Erfahrungen abgreifen.

Bist Du technisch neugierig? Ist das Alter der XT eher Vorteil oder Nachteil?
 
Mia Flora: Ich bin technisch soweit neugierig, dass ich Dinge wie Vergaser, Ventilspiel, Kettensatz etc. alles selbst mit meinem Handbuch einstellen und servicen kann. Aufwendige Optimierungen oder hauchfeine Einstellungen und Messungen gehen mir momentan noch deutlich zu weit.
Dabei kommt mir das Alter der XT – mit ihren jetzt 43 Jahren auf’m Buckel – sehr gelegen. Bei modernen Maschinen hat man Bildschirme, ‘zig Sensoren und man codiert das Motorrad mehr, als dass man sich die Hände schmutzig macht.
Da ist es mir schon wichtig, Hand anlegen zu können, und durch ”einfache” Düsenwechsel, Dichtungen und Schrauben mein Motorrad instand zu setzen und zu pflegen. Aktuell baue ich den Kabelbaum ein, was natürlich nicht auf Anhieb perfekt funktioniert. Der ist teilweise noch im Originalzustand. Aber selbst der Mehraufwand, den ich gerade habe, mit dem Messen der Widerstände jedes Kabels, dem Erforschen der Masseanbindungen, ist im Vergleich zur Arbeit an modernen Maschinen gar nichts.

Coolness kommt nicht immer über die Exklusivität und Seltenheit der Maschinen. Hier verzaubert uns der Charme einer echten Großserien-Enduro.

Vintage oder Retro, Zuverlässigkeit oder Authentizität?

Mia Flora: Bei Vintage-Maschinen liegt mir neben der simplen Technik besonders das Aussehen. Zuerst waren es bei mir Café-Racer und mittlerweile die “flachen Japaner” der 70er und 80er. Dabei war es mir für mein eigenes erstes Motorrad wichtig, dass es eine bewiesen zuverlässige Großserie ohne große Kinderkrankheiten und guter Teileversorgung ist.
Freddy schraubt und fährt ja Raritäten wie seine ‘56er BSA A10 oder Bultaco Alpina und Fronterra. Auch wenn diese unfassbar besonders und authentisch sind und jeweils Geschichte geschrieben haben … für Bultaco-Teile muss er weltweit vernetzt sein, und die BSA-Teile baut er teilweise selber nach, da es einfach nichts Bezahlbares mehr gibt.
Da fahre ich lieber meine Großserie und bin trotzdem mehr als glücklich.

Der Spirit der 80er Jahre, die einfache Technik, die gute Ersatzteilversorgung.

Was wirst Du zuerst machen, wenn dein Projekt fertig ist?

Mia Flora: Ehrlich gesagt, wird es das erste sein, mit der XT fahren zu lernen. Den Führerschein habe ich aus Gründen bis jetzt noch nicht gemacht, daher ist mein Plan Folgender:
Auf dem Privatgrundstück übe ich so lange, bis ich eine Praxisprüfung bestehen würde. Dann melde ich mich zum Führerschein an.
Und dann steht mir die Welt offen! Endlich!

Wäre eine Reise mit der XT denkbar?

Mia Flora: Ja, auf jeden Fall! Da ich schon mit meinem 08/15 Trekking-Rad durch Deutschland und Schweden gefahren bin und mir die Reise an sich wichtiger ist als Komfort oder pannenfreies Ankommen, ist alles mit der XT vorstellbar.
Da muss ich auch noch einmal zurück zu der Arachnologin, die mit ihrer XT250 nach Israel gefahren ist, zum Arbeiten. So pragmatisch wäre ich auch.
Es fährt, also kann man damit auch wegfahren.

Würdest Du anderen jungen Leuten empfehlen, sich durch eine Restauration ins Abenteuer Motorrad zu stürzen?

Mia Flora: 100%ig! Wenn die jungen Leute die Mittel haben, sich das Werkzeug zu leihen und einen Platz zum Schrauben mit Ansprechpartner:in zu organisieren, sollte eine Restauration relativ gut umsetzbar sein. Ich darf nicht vergessen, dass ich dieses Projekt in einem sehr gut ausgestatteten Umfeld mache. Das erleichtert mir natürlich die komplette Restauration immens.

Deshalb hier noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an alle, die mir bis jetzt – und wahrscheinlich zukünftig- in persona oder auf Instagram Ratschläge und Hilfe geliefert haben.

Das handwerkliche Arbeiten ist eine gute Möglichkeit, mal auf andere Gedanken zu kommen, man kann gut Frust rauslassen, und man lernt einfach unfassbar viel Wertschätzung für Technik, die seit 40-50 Jahren einwandfrei funktioniert.

Hier in der Region in Mecklenburg-Vorpommern kann fast jeder zweite junge Motorradfahrer erzählen, wie mit Vati an deren Simsons oder MZ geschraubt wurde. Und auch wenn aus Mechatroniker-Sicht nicht alles perfekt richtig gemacht wird, funktionieren die Schätze und laufen auch schon ganz schön lange.

Alle Leute, die selber mal ein Motorrad restauriert oder auch mehr gemacht haben als einen Ölwechsel, entwickeln eine Wertschätzung für die Technik und das Konzept Motorrad, welche man sonst nur erreichen kann, wenn man mit seiner Maschine eine Weltreise macht.

Es lohnt sich also sehr, eine liebesbedürftige, rostige, alte Maschine zu kaufen und ihr neues Leben einzuhauchen.

Wir danken Dir, Mia! Großer Dank fürs Teilen Deiner Erfahrung.

die XT250 HAT ihren festen Platz BEI UNS

Die Beliebtheit der Viertelliter-XT wächst stetig. Wir KEDOs entwickeln ständig neues Zubehör und halten alle verfügbaren Verschleißteile bereit. Von Kunden erfahren wir oft von tollen Projekten und geretteten Exemplaren. Viele Teile, die bei Yamaha nicht mehr zu bekommen sind, gibt es bei uns. Prominentes Beispiel: Die Seitendeckel aus ABS mit der Artikel-Nummer 41696.

Im KEDO Webshop hat die XT250 ihre eigene Startseite: www.kedo.de

Ganz frisch: unser Spezial-Flyer zur XT250.

Eine Yamaha XT250. Leicht und agil und der Zeit etwas voraus

Die XT250 Typ 3Y3 wurde schon 1979 neben der großen Schwester XT500 angeboten. Trotz oder vielleicht auch wegen der sportlichen Erfolge der XT500 stand die Viertelliter-Version leider von Beginn an etwas in deren Schatten. Der direkte Vergleich hinkt allerdings. Die XT250 ist absolut eigenständig, mit eigenen Vorzügen. Sie ist eine leichte, geländegängige Bergziege – ideal für Enduro-Wanderungen. Yamaha hat schon bald mit Produktplatzierung die Werbetrommel gerührt.  So wie “James Bond – In tödlicher Mission” die XT500 1981 beim breiten Kino-Publikum bekannt gemacht hat, wurde die XT250 in “Rambo-First Blood” 1981 mit Sylvester Stallone eingesetzt.

Fakt ist: Yamaha hat bei der Entwicklung der XT250 viele Details eingeführt, die später bei den Nachfolgern der XT500 zum Standard wurden und gegenüber der XT500 echte Verbesserungen darstellten. Die wichtigsten Punkte:

  • Elektronische CDI-Zündung
  • Kickstartvorrichtung mit Dekompressionsautomatik
  • Ausgleichswelle für ruhigen Motorlauf
  • Spurstabile Cantilever-Federung
 
TECHNISCHE DATEN DER YAMAHA XT 250 3Y3
  • Luftgekühlter Einzylinder-Viertakt-Motor mit 2 Ventilen
  • Hubraum: 249 ccm
  • Bohrung x Hub:  75 mm x 56,5 mm
  • Leistung ungedrosselt: 22 PS bei 8.600 U/min
  • Max. Drehmoment: 20 Nm bei 7.600 U/min
  • Vergaser: Mikuni mit 28 mm Durchlass und Beschleunigerpumpe
  • Kraftübertragung: 5-Gang-Getriebe, Kette
  • Tele-Gabel mit 205 mm Federweg
  • Schwinge mit Cantilever-Federung und 178 mm Federweg
  • Reifengrößen vorn: 3,00 x 21, hinten: 4,00 x 18, aber im ersten Erscheinungsjahr 4,60 x 17
  • Bremsen: Halbnaben-Trommelbremsen mit 130 mm Durchmesser
  • Sitzhöhe: 840 mm
  • Gewicht betankt: 124 kg
  • Tankinhalt: 8 Liter
  • Höchstgeschwindigkeit: 116 km/h

Bei KEDO hat die XT250 ihre eigene Fangemeinde. Im Team und bei unseren Kunden. Sie liegt uns am Herzen. Aus Gründen. www.kedo.de

Wir waren letztes Wochenende beim Scrambler Fever in polen und es war mal wieder richtig gut! 2 Tage durch die Wälder knattern mit ca. 70 anderen Enduro-verrückten. Durch die extreme Trockenheit, waren viele Waldwege eine einzige Sandhölle. Jeder hat darüber geflucht, viele sind gestürzt aber alle hatten danach ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Mehr zu diesem Event gibt es bald….

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